Der politische Transformationsprozess in Gambia hat sich seit der Wiederwahl von Präsident Barrow im Jahr 2021 verlangsamt. Die Demokratisierung hat zwar durch aufeinanderfolgende freie und faire Wahlen sowie Fortschritte bei den Menschenrechten, darunter die Einrichtung einer Anti-Korruptionskommission und ein Gesetz über den Zugang zu Informationen, an Dynamik gewonnen. Dennoch haben das Ausbleiben einer neuen Verfassung, die schleppende Umsetzung von Übergangsjustizmaßnahmen und die anhaltende Einschüchterung von Journalist*innen den Eindruck einer stagnierenden Reformpolitik verstärkt.
Wirtschaftlich hat Gambia externe Schocks relativ gut überstanden und eine Strategie der Haushaltskonsolidierung und Schuldenreduzierung verfolgt. Gleichzeitig bleiben Inflation, Währungsverfall und weit verbreitete Armut große Herausforderungen. Die Wirtschaft ist stark von internationalen Gebern abhängig, während der Klimawandel die wirtschaftliche Stabilität zusätzlich bedroht.
Die Governance ist weiterhin durch weit verbreitete Korruption und schleppende Reformen geprägt. Gleichzeitig zeichnet sich das Land durch ein hohes Maß an sozialem Zusammenhalt und Toleranz aus, was Gambia in der Region positiv hervorhebt. Die fortbestehende politische Bedeutung Yahya Jammehs erschwert jedoch die Umsetzung der Übergangsjustiz.